Samstag, 30. März 2013

JuLis: Buschkowsky ist herzlich willkommen

Die Jungen Liberalen in Bielefeld reagieren auf die Kritik am Besuch des Neuköllner Bezirksbürgermeisters Heinz Buschkowsky (SPD) beim Kongress „Kooperative Stadtentwicklung“ in der Stadthalle Anfang Juni. Der Vorsitzende des Integrationsrates, Yasin Sever, hatte in einem Offenen Brief dessen Einladung kritisiert und bezweifelt, dass sinnvolle Impulse von dessen Vortrag ausgehen würden. Florian Sander, Kreisvorsitzender der JuLis und Mitglied des Integrationsrates, erklärte dazu: „Ich finde es befremdlich, wenn ein Referent bereits vor seinem Vortrag für diesen kritisiert wird. Herr Sever sollte sich ihn erst einmal anhören und dann urteilen.“

Es könne nicht sein, dass bei Veranstaltungen zum Thema Integration nur noch Leute sprechen dürften, die das Thema beschönigen, während Leute, die auf soziale Schieflagen hinweisen, nicht mehr eingeladen werden. Sander: „Man löst Integrationsprobleme nicht, indem man sich die Ohren zuhält. Man löst sie, indem man sich alle Perspektiven anhört, sie zur Kenntnis nimmt und Schlussfolgerungen daraus zieht.“ Gerade ein Integrationsrat solle diesen Grundsatz beherzigen, wenn er ernst genommen werden möchte. „Veranstaltungen, bei denen die sogenannte Fachlichkeit nur noch darin besteht, die rosarote Brille aufzusetzen und Probleme unter den Teppich zu kehren, wären ihr Geld nicht wert“, so der Kreisvorsitzende.

Montag, 25. März 2013

JuLis OWL gegen Berufsverbote

Die Jungen Liberalen in Ostwestfalen-Lippe zeigen sich erstaunt über einige Reaktionen, die dem Bekanntwerden der Tatsache gefolgt waren, dass ein prominenter Rechtsextremer im Rathaus von Werther ein Praktikum gemacht hat. „Man muss politischen Extremismus auf das Schärfste bekämpfen. Dies darf aber nicht automatisch in Berufs- oder Praktikumsverboten für Einzelpersonen münden“, erklärte Sahba Afradi, Bezirksvorsitzende der JuLis OWL. Gerade öffentliche Institutionen wie Stadtverwaltungen dürften Praktikumsplätze nicht nach politischer Gesinnung vergeben.

Das Bielefelder Grünen-Ratsmitglied Klaus Rees, das Vorwürfe gegen die Stadt Werther erhoben hatte, müsse sich die Frage gefallen lassen, ob er denn gegen linksextreme Praktikanten ebenso die Stimme erhoben hätte. Afradi: „An der Uni Bielefeld haben der AStA und die Antifa mit öffentlichen Outing-Flyern auf hochproblematische Methoden zurückgegriffen, die ganz klar Datenschutzgrundsätze und Bürgerrechte verletzen. Wo ist die Grenze?“ Antidemokraten müsse man mit demokratischen Mitteln bekämpfen. Vorhaben, Einzelpersonen aus politischen Gründen Studien- oder Praktikumsplätze zu entziehen, widersprächen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Dienstag, 19. März 2013

Sahba Afradi ist neue JuLi-Bezirkschefin

Die Jungen Liberalen in Ostwestfalen-Lippe haben am 17. März beim Hermannsdenkmal in Detmold ihren Ordentlichen Bezirkskongress mit Vorstandswahlen abgehalten. Dabei wurde die 28-jährige Bielefelderin Sahba Afradi zur neuen Bezirksvorsitzenden gewählt. Die Politikwissenschaftlerin ist zugleich auch stellvertretende Kreisvorsitzende der Bielefelder FDP. Zu stellvertretenden Bezirksvorsitzenden der JuLis OWL wurden gewählt: Fabio Schiebel aus Gütersloh, Sven Schäffer aus Herford, Friedrich Radi aus Lippe und Florian Sander aus Bielefeld. Jan-Niklas Spiegel aus Höxter ergänzt als Beisitzer das Vorstandsteam.

Eine der wichtigsten Aufgaben des neuen Teams sei die Koordination des Bundestagswahlkampfes der JuLis in der Region ab Mitte des Jahres. Man werde den Spitzenkandidaten der FDP OWL, Frank Schäffler, und die anderen regionalen FDP-Bundestagskandidaten nach besten Kräften unterstützen. Afradi: „Wir hier in Ostwestfalen-Lippe vertreten den Markenkern der Liberalen. Das werden wir deutlich machen. Ich bin sicher, dass die Wähler diese Prinzipientreue außerordentlich zu schätzen wissen“. Man gehe daher optimistisch und selbstbewusst in die kommende Amtsperiode.

Samstag, 9. März 2013

"Normale Katastrophen": Für eine andere Sicht auf Krisen

Der amerikanische Soziologe Charles Perrow hat in den 80er Jahren einen risikosoziologischen Ansatz entwickelt, den er mit der Formulierung der „normal accidents“ umschrieb. Er schuf damit eine Katastrophensoziologie, die zur sozialen Systematisierung insbesondere von technischen Unfällen beitrug und zugleich die in Opposition etwa zu Ulrich Beck stehende These vermittelte, dass Unfälle und Katastrophen nicht grundsätzlich vermeidbar und daher ein Stück weit Normalzustand sind.

Ich meine: Angesichts der heute wieder ständig diskutierten „Krisen“ rund um Euro, Finanzen, Staatsschulden, Terrorismus und Atomkraft wird es Zeit, sich diese These wieder einmal ins Gedächtnis zu rufen und zu fragen, inwieweit sie etwa auch außerhalb von techniksoziologischen Fragestellungen zur Anwendung kommen kann und sollte.

In Zeiten wie diesen, in denen über die neue Hegemonie des linksgrünen Zeitgeistes auch eine Art neuer politischer Utopismus Einzug gehalten hat (Vision: ein ökosozialistischer, quotierter und multikultureller Superstaat EU), ist auch der Umgang mit Krisen und Risiken ein anderer geworden – wie es immer der Fall ist, wenn semitotalitärer Utopismus zum Mainstream wird. Hier kommt eine andere Größe der Risikosoziologie ins Spiel: Die Anthropologin Mary Douglas umschrieb diese Art der politischen Kultur in ihrer „Cultural Theory“ mit dem Begriff der egalitären „Sektierer“. Eine Form der politischen und sozialen Herangehensweise, die zum „Nullrisiko“ tendiert: Risiken sollen komplett vermieden werden, Krisen und „Unglück“ mittels vor allem natürlich staatlicher Intervention eliminiert werden. Am Ende steht die Vision eines moralisch reinen, sicheren, glücklich machenden Utopia.

Dieser politischen Kultur stellt Douglas in ihrer Typologie außerdem die Kulturen der Hierarchie (Konservatismus), des Fatalismus (Politikverdrossene) und des Marktindividualismus (Liberalismus) gegenüber. Erster will die Dinge zwar staatlich regeln, kennt dabei aber keine Utopien oder Visionen. Fatalisten ist es einfach egal. Der Individualist wiederum verfolgt das Trial-and-Error-Prinzip: Fortschritt wird als Chance begriffen, absolute Sicherheit als unrealistisch abgetan, Freiheit als höchster Wert angesehen.

Nun hatten es gerade soziologische Typologien stets an sich, dass sie analytische Kategorien schaffen, die Reinformen von etwas darstellen, die in der Empirie eher als Mischmodelle vorkommen. Mit der neuen Dominanz des grünen Mainstreams jedoch ist ernsthaft die Frage zu stellen, ob wir nicht immer mehr auf eine Reinform dieses moralistisch-egalitären Sektierer-Typus hinsteuern – und ob hier nicht mit Elementen anderer politischer Kulturen gegen gesteuert werden sollte. Die Kultur des Marktindividualismus bietet hier einen erfrischenden Ansatzpunkt. Ein Gedanke übrigens, der keineswegs bestreitet, dass keine politische Kultur ohne Hierarchien auskommen kann, wenn sie funktionsfähig bleiben will. Es geht also in der Zielsetzung nicht um neue „Reinformen“, sondern um besser dosierte Mischverhältnisse. Dies sei insbesondere den Lesern vorausschickend erklärt, die jetzt gerade schon dabei waren, in den üblichen anti-liberalen Beißreflex zu verfallen.

Aufmerksame Beobachter politischer Vorgänge konnten in den letzten Jahren immer wieder erkennen, wie echte oder vermeintliche Krisen gezielt genutzt wurden, um dadurch politische Veränderungen zu bewirken. Im Falle von Terrorismus (Al Qaida oder NSU) und Sicherheitsgesetz-Verschärfungen ist dies besonders sichtbar, ebenso aber bei der Eurokrise, die genutzt wird, um durch die Hintertür die Voraussetzungen für einen neuen Super-Staat und eine leistungsfeindliche Wirtschaftsordnung zu schaffen. Das Resultat besteht in zunehmender Gewalt in griechischen Städten, Deutschenfeindlichkeit dort und in Italien sowie Massenprotesten in Spanien. Die Fukushima-Katastrophe wiederum, die in ihren Auswirkungen hinsichtlich Verstrahlungen eigentlich längst nicht so dramatisch ausfiel, wie von dutzenden von deutschen Journalisten prophezeit wurde, machte eine ganze politische Klasse zum hysterischen Hühnerhaufen, der ein ganzes nationales Politikfeld (Umwelt & Energie) binnen weniger Tage komplett auf den Kopf stellte. Die Rechnung dafür bekommen wir nun auf den Tisch.

Der angestrengte Versuch der Krisenvermeidung führt zum Gegenteil. Die Nicht-Akzeptanz der „normalen Katastrophen“ verschärft eben diese und macht sie zu „unnormalen Katastrophen“. Entweder durch Hysterie (Energiewende) oder aber durch undemokratische Hektik und die gezielte, eigenverantwortungsfeindliche Verhinderung von Lerneffekten (krampfhaftes Verhindern von Euro-Austritten, metaphorisches „Alkohol-Liefern an Alkoholiker“). Die Parallelen der Makro-Ebene mit der Mikro-Ebene des Alltags werden hier deutlich. Indem man krampfhaft versucht, Krisen und die daraus entstehenden harten Aufpralle „abzufedern“, werden Lerneffekte konsequent verhindert und die Krisen noch mehr in die Länge gezogen als eigentlich nötig. Ähnlich nun in der Bildungspolitik: Sitzenbleiben soll abgeschafft werden. Bloß kein Unglück. Bloß keine negativen Folgen. Schaffen wir lieber das Paradies auf Erden.

Doch Leute, die nie Schatten gesehen haben, können sich nicht am Licht erfreuen. Wer nie die Krise erlebt hat, wem eigene Fehler nie bewusst geworden sind, der kann aus ihnen auch nicht lernen. Kinder, denen nie Grenzen gezeigt wurden, Jugendliche, deren Fehler – sei es Gewalt, Drogen oder auch nur Faulheit – nie sanktioniert worden sind, werden am Leben mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern. Erst das Erleben und Akzeptieren einer Krise schafft das Glück im Nachhinein. Fehler, Krisen, Katastrophen und Unfälle sind Teile des Lebens und der Gesellschaft. Politisches Ziel muss es daher sein, diese nicht als Schreckgespenster zur Panikmache und für totalitären Utopismus zu missbrauchen, sondern sie zwar als Fehlerquellen kenntlich zu machen, aber aus ihnen zu lernen und in der gebotenen Gelassenheit zu akzeptieren. Ein altes Sprichwort, das einem in diesem Zusammenhang nicht sofort einfällt, aber diese Erkenntnis dennoch treffend zusammenfasst, lautet: „Not macht erfinderisch“. Es sind die Krisen, die Notlagen, die Probleme, die das Beste aus uns herausholen, sei mit „uns“ nun die Gesellschaft als Ganzes gemeint oder wir als Einzelpersonen.

So schwer es uns und einem selber – der Autor nimmt sich davon übrigens nicht aus, man möge diesen Text also bitte nicht als moralischen Zeigefinger, sondern als Vorschlag verstehen – also manchmal auch fallen mag: Wir sollten einen gelasseneren und nachdenklicheren Umgang mit Krisen wagen. Oft genug haben wir dies auch selbst in der Hand: Nicht, wenn es um unmittelbare Gefahr für Leib und Leben geht; durchaus jedoch dann, wenn besonders psychologische Faktoren im Spiel sind – sei es in Form des Finanzsystems und seiner Krisen, sei es in Form persönlicher Krisen. Auch Krisen sind sozial konstruiert und entfalten daher ihre teils panik- oder zumindest angsterzeugende Macht über Wahrnehmungen, Interpretationen, Reflexe und Assoziationen, die jedoch dekonstruiert werden können. Sicher – es wird nicht immer funktionieren. Gesünder und effektiver als in vorauseilender Panik und krampfhaft zu versuchen, jede Krise, jedes Unwohlsein, jedes Unglücklich-Sein von Vornherein zu verhindern (und dadurch alles nur noch schlimmer zu machen), ist dies jedoch allemal.